Künstlerhaus Dortmund
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Garage 2.0 Triple Reloaded: Der Camcorder ist das Mikrophon

Videos, Live-Musik, Vortrag & Performance sowie Bar und Grill im Innenhof

22. Juli & 5. August 2017

Einlass ab 19:30 Uhr, Programmbeginn um 20 Uhr
Eingang durch die Toreinfahrt in der Nettelbeckstraße





Die Videokunst hat sich verändert seit es den Camcorder gibt. Ein Knopfdruck und los geht’s! Bild und Ton werden einfach parallel aufgenommen. Aber worin liegt die Kunst? Wie wird gestaltet? Welche Entscheidungen werden überhaupt noch getroffen? Welche Ästhetik entsteht bei einem „Gemenge aus Bild und Ton“ und welches Interesse wird dabei in diesen Videos verfolgt?
An beiden Garage-Abenden werden zwei der vielfältigen Camcorder-Video-Mikrophon-Bild-Klang-Themen in den Garten des Künstlerhauses geholt: Atmos(phären) und Dinge, die durch einfaches Abfilmen spannend sind. Und Spannung ist tatsächlich zu erwarten, denn die beiden Präsentationen konkurrieren und/oder vereinigen sich mit dem verwinkelten Garten, seinen Pflanzen und seinem Boss – einer Elster, mit all den Menschen, die Wurst, vegane Schnitzel und Salat futtern, Cocktails schlürfen und es sich bequem machen.
Ausserdem ist der Garten Teil einer weiteren Klangblase: Dem großen Innenhof, der durch die gesamten Nachbarhäuser definiert ist. Schall, Bild und Raum ohne Ende! Die Videos werden durch Screening und Installationen in ein Großkonzert getaktet, denn auch Live-Musik, Vorträge und eine Performance gestalten die Abende mit.
Herzliche Einladung!!!



Samstag, 22. Juli: Der Atmokontest

Videoprogramm:

Anne Louise Hoffmann, NATUREBOY, 12 min
Meine Viertelerkundung geschieht intuitiv. Wie ein trunkener Tourist schleiche ich durch das Viertel, hänge mit diversen Ladenbesitzern ab, kaufe in ihren Läden ein um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Durch meinen trüben Blick entdecke ich andere Sterne. Um diese Sterne zu erreichen gehe ich dort einkaufen. Ein einfacher ökonomischer Austausch Ware gegen Geld. Das ist meine Recherche. Das Gespräch an der Kasse, in dem ich erfahre, dass der Laden, für den ich mich interessiere schon seit 15 20 Jahren besteht. Ich sage mir, dass ich die Läden nicht als Bu¨hne benutzen möchte. Etwas als Bühne nehmen heißt schließlich auch sich etwas anzueignen. Darum geht es mir nicht. Ich suche eine Berührungsgrenze. Ich bin kein Teil der sozialen Welt des Asienmarktes, ich spiele keine Geige, ich lasse mir für gewöhnlich nicht die Augenbrauen zupfen, und gehe sonst im Supermarkt einkaufen und nicht im Kiosk. Ich bin ziemlich mainstream. Aber was heißt das in diesem Viertel überhaupt, hier gibts keinen REWE. Meine Neugier für die verschiedenen Läden provoziert zum Glück Situationen und Gespräche. Und um das nicht abbrechen zu lassen, sage ich: „Hey, ich möchte ein Lied für Ihren Laden schreiben“. Ich biete ein unbekanntes Geschenk an. It’s a 4tune.

Lukas Marxt, REIGN OF SILENCE, 7:20 min
Ein Landschaftspanorama mit Gebirgszug und Gewässer, ein kleines Boot und eine über Funk übermittelte Handlungsanweisung - daraus generiert Lukas Marxt in Reign of Silence ein Bild, das die Bedingungen seiner Erzeugung ausstellt. Ein "water work", das man durchaus in Land-Art-Traditionen stellen kann. Dokumentarischer Kern Reign of Silence und sein Zwillingsfilm High Tide, Preisträger in der Kategorie "Innovativer Film", lassen sich auch als Beleg für die Verschränkung der Gattungen sehen: Im "Innovativen Film" bestätigten nicht nur die Beiträge von Marxt die Tendenz, von reinen Abstraktionen abzugehen, viele Arbeiten haben im Kern auch dokumentarischen Charakter. (Dominik Kamalzahed & Isabella Reicher, In: DER STANDARD, 24.3.2014)
lukasmarxt.com

Johanna Reich, BLACK HOLE, 6 min
Aufsicht auf eine Schneelandschaft. Eine schwarz gekleidete Person entfernt den Schnee, bis sie farblich eins wird mit dem Untergrund unter dem Schnee. Die Person verschwindet vor der Kamera.
johannareich.com

Richard T. Walker, an occasionally related occurence #1, 7:30 min
Using video installation, photography, sculpture and performance, my work compiles imagery, spoken dialogue, text and original music compositions to construct scenarios that investigate complex relationships between verbal language, visual language, the natural environment and our inner selves.  Working within a meditation on the ideology of landscape and nature, I aim to interrogate the conception of such places, questioning what they mean to us and what the particularities of such an understanding reveals about who we are. My work plays with notions of spatial transition, emphasizing the physicality of distance in both real and emotional terms; highlighting the particularities of perception and the fragility of a linear-based understanding of reality.
www.richardtwalker.net

Denise Winter, über_Tarlabaşı, 2013, 4-Kanal-Videoinstallation
In der Hofeinfahrt des Dortmunder Künstlerhauses werden Videosequenzen aus unterschiedlichen Blickwinkeln an die sich gegenüberliegenden Wände projiziert. Bei den Aufnahmen handelt es sich um ein wehendes Tuch, das im Istanbuler Stadtteil Tarlabaşı gefilmt, auf einen Kellerdurchbruch projiziert und abermals abgefilmt wurde. Es scheint, als wehe das Tuch um den Betrachter herum. Es erklingt der Muezzin, der zur Zeit der Aufnahme zum Gebet aufrief und dessen Melodie zu den Bewegungen des Tuches korrespondiert.
www.denisewinter.de

Lisa Weber, URBAN LIGHT SCENERIES, 9 min Ausschnitt aus 18 min Video
Im schwindenden Tageslicht taucht die herannahende Dunkelheit verschiedene urbane Landschaftsszenerien in die Schwärze der Nacht. Vor dem nur noch schwach leuchtenden Abendhimmel zeichnen sich schemenhafte Kulissen ab. Dieses sich langsam herannähernde natürliche Ende des Tages wird jedoch durch den Einsatz des elektrisches Lichtes unterbrochen. Die nach dem Sonnenstand gesteuerten Lampen glühen auf, verwandeln die abendliche Szenerie und dominieren die nächtliche Stadtlandschaft.
www.lisaweber.net


Videostills, v.l.n.r: A. L. Hoffmann, L. Marxt,  J. Reich


Videostills, v.l.n.r: R. T. Walker, D. Winter, L. Weber

Konzert:

Rubbert Twist (Mainz)


Foto: Martin Deubel

soundcloud.com/rubbert-twist



Samstag 5. August: Heute im Interview: Die Dinge

Videoprogramm:

Anne Louise Hoffmann, THE 4TUNE DEMO, 9:16 min

Sören Hiob, TEARS IN THE RAIN, 8:53 min
Eine Unterhaltung zwischen einem Spiegel und der Mona-Lisa.
soerenhiob.de

Rob Mullender, SAID OBJECT, 9:42 min
I’d been thinking about how sound was and could be represented visually and physically, since everyone was doing it. So using an engineering lathe I decided to make a 'sound wave’ by hand, and was distinctly unhappy with the results. But why? What made this a less valid representation of sound than other,  perhaps more ‘technological’ attempts at this insoluble problem? I decided to find out what other people thought - asking them simply ‘What does it say?’. This video is a collection of their responses.

Johannes Stoll, VASE, loop
Eine ununterbrochene kreisende Bewegung: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Objekt fällt und möglicherweise zerschellt. Das Bild steht für die unendliche Möglichkeit der Fortschreibung eines Ereignisses. nicht das Ergebnis selbst, sondern das Verstreichen der Zeit bis zur Entscheidung, die gefällt werden muss, ist Gegenstand der Videoarbeit. Und so liegt diese schließlich bei dem Betrachter selbst - also auszuharren, bis im Video etwas passiert oder den Raum zu verlassen. (Text: Susanne Kleinfeld)
www.johannes-hugo-stoll.de

Richard T. Walker, an occasionally related occurence #2, 2:20 min
www.richardtwalker.net

Markus Walenzyk, Fences, 6:35 min
Vor einem schwarzen Hintergrund bewegen sich eine spiral- und eine wellenförmige weiße Linie hin und her. Sie werden gestaucht und gedehnt, nähern und entfernen sich, mal langsam, mal vorsichtig, dann wieder ruckartig und schnell, wabbern, zucken sie im undefinierten Raum. Immer wieder schlagen sie aufeinander, berühren und reiben sich und erzeugen dabei einen metalernen, elektrisierenden Klang.
www.markuswalenzyk.com


Videostills, v.l.n.r.: S. Hiob, J. Stoll, M. Walenzyk

Vortrag:

Jan Thoben
"Stehende Wellenmuster. Die sonische Materialität des Videobildes"
Elektronische Videobilder sind zeitbasiert. Ihr mikrotemporaler Aufbau unterläuft jedoch die menschliche Wahrnehmungsschwelle, weshalb wir am Schirm überhaupt Bilder und nicht vielmehr Signalverläufe erfahren. Doch im Grunde, d.h. seiner Materialität nach ist ein elektronisches Bild fortwährend im Aufbau begriffen, flüchtig, nie wirklich als Tableau existent, vielmehr immer schon "eingebildet" (Flusser) - ein Schwellenphänomen, unter dessen sichtbarer Oberfläche ein Summen der Signale am Werk ist. Videobilder lassen sich vor diesem Hintergrund als ein harmonisches Zusammenspiel aufeinander abgestimmter Schwingungen verstehen, die den zeilenweisen Aufbau des Bildes aus Lichtpunkten steuern (Line-Scanning).
Aufgrund seines sonischen Charakters rückt Video in die unmittelbare Nähe klanglicher Prozesse. Sehr treffend hat der Videokünstler Bill Viola folglich vom "Klang der Einzeilenabtastung" gesprochen, Video wird hörbar. Neben einer Erläuterung der technik- und wissensgeschichtlichen Rahmenbedingungen des so verstandenen Klangbildes soll vor allem seine experimental-ästhetische Reflexion in der Videokunst der 1960er und 70er Jahre in den Blick genommen werden.

Live Performance:

THE SQUINT
Audiovisuelle Performance
Jan Thoben (Video Synthesizer) und Boris Hegenbart (Audio DSP)


Abb. links: T. J. Krebs, rechts: J. Thoben

www.soundblocks.de/squint


Präsentation des Sommergastes (Artist-in-Residence) Daniel Djamo:

"Rise Of Nations" diskutiert die Entwicklung und Relevanz von Flaggen als staatliche Symbole und als Distinktionsmerkmale von Personengruppen. Dies geschieht anhand von dystopischen Geschichten über ein fiktives Europa von 2028, das seine Einheit aufgegeben hat und zerfallen ist, nachdem ein schreckliches Geschehen in oder um Dortmund die Welt für immer verändert hat.

"Rise of nations" debates the development and relevance of flags as marks of a certain group or nation and gathers stories of a dystopian 2028, an age in which the European Union has fallen apart after being severely shaken by an event that happened in the vicinity of Dortmund.



> Artist-in-Residence-Programm



Konzept und Organisation: Laura Eschweiler und Lisa Weber
Abbildungen Videostills ©: die KünstlerInnen

Freundlich unterstützt durch:
Kulturbüro Dortmund, Sparkasse Dortmund, DEW 21