Künstlerhaus Dortmund
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Zur Größe bestimmt!

Großformatige Malerei

1. Dezember 2018 – 20. Januar 2019

Eröffnung am Freitag, den 30. November um 20 Uhr
(vom 24.12. - 2.1.2019 bleibt die Ausstellung geschlossen)


Foto und Layout Karte: Cornelius Grau und Dirk Pleyer

Die Ausstellung „Zur Größe bestimmt!“ ist eine Gruppenausstellung über die Möglichkeiten und Facetten der großformatigen Malerei. Wie wirkt sich „Größe“ auf die Malerei aus? Gibt sie Platz für Details oder einen großzügigen Gestus. Soll sie den Betrachter vereinnahmen, soll er ins Bild hereingezogen werden, oder überrascht sie ihn durch Überwältigung? Steht die Größe in Relation zu einer bestimmten Wirkung oder einer bestimmten Funktion?     
Hierfür wurden über eine Ausschreibung großformatige Arbeiten aus allen Bereichen der Malerei in ihrer einfachsten Definition - Farbe auf Malgrund – gesucht und gefunden.

Beteiligte KünstlerInnen:

Stefan Brock (Dresden)
Friedhelm Falke (Köln)
Julia Gutkina (Mannheim)
Peter Nikolaus Heikenwälder (Hamburg)
Thomas Hoffmann (Remscheid)
Martina Justus (Düsseldorf)
Franziska Klötzler (Bonn)
Jannine Koch (Gelsenkirchen)
Ludwig Kupfer (Dresden)
Patricia Sandonis (Berlin)
Sebastian Troeger (Nürnberg)
 


Stefan Brock


Am Petroleumhafen Dortmund, 2018, Acryl auf Leinwand, 220 cm x 150 cm

In den Gemälden des jungen Dresdner Künstlers Stefan Brock prallen Welten aufeinander: Altmeisterliche Malerei trifft auf knallbunte Comicfiguren, Eiscremewerbung auf sozialistischen Realismus und Napoleon Bonaparte wird zum dosenbiertrinkenden Dynamo Dresden-Fan. Ohne Rücksicht auf politische Korrektheit verteilt der Künstler in der Gemäldeserie „Rosenkrieg“ Tiefschläge an ‚Wutbürger‘ und Neonazis. Der Baseballschläger wird zum phallischen Fetischobjekt, rechte Glatzköpfe schmusen vor brennenden Hochhäusern und Pegida schlabbert am schwarz-weiß-roten „Dauerlutscher“. Sowohl in thematischer als auch in ästhetischer Hinsicht verbindet Stefan Brock gegensätzliche Einflüsse: Humorvolle Satire vermischt sich mit politischer Brisanz, stereotype Rollenbilder und Klischees werden mit einem Augenzwinkern vereinnahmt, dekonstruiert und in einen anderen Kontext überführt. Inspiriert von feinmalerischen Portaits der alten Meister, von Elementen der Populärkultur und von graffitiverschmierten Wänden entwickelt der Künstler skurrile Bildwelten, die gleichsam zum Schmunzeln und Nachdenken anregen. (Autor: Fabian Kassner)
http://www.stefanbrock.com



Friedhelm Falke


Helen, Piet und Kasimir; 2017, Acryl und Vinylfarbe auf Nessel, 200 x 160 cm

Beiläufige Beobachtungen, ziellose Blicke des Alltags werden manchmal zum Ausgangspunkt meiner Bilder. Solche Wahrnehmungen - die Illumination eines Raumes, eine bestimmte Färbung der Wände, das Ineinanderfließen von Licht und Raum - werden zum Ausgangspunkt meiner Arbeit. Eigenartige Augenblicke, in denen Licht und Farbe, Raum und Zeit ineinander fallen. In der Erinnerung kehren sie als Bilder zurück.
Die Mehrzahl meiner Bilder ist konzentriert auf wenige Farben und ihre Abtönungen. Bildübergreifend sind es besonders die Randzonen, Grenzen, Überschneidungen, Transparenzen, die unterschiedliche Konsistenz von Farbe, die mich beschäftigen. Ich sehe ein Bild immer auch als Projektionsfläche des Betrachters, als einen Spiegel oder emotionalen Raum, in der die Denkweise sowohl des Betrachters als auch des Malers sichtbar wird. Vielleicht kann man Malerei als vorbegriffliches Denken und Handeln bezeichnen. Es realisieren sich Inhalte, die sich textlich nicht fassen lassen.
Malerei und Schachspiel: Etwas salopp formuliert könnte man sagen: Malen ist wie Schachspielen. Beide Metiers sind sehr alt. Beiden gemeinsam ist das definierte Spielfeld und die Spielfiguren - in der Malerei sind es Grund, Farbe und Form - und doch ergeben sich immer neue Zusammenhänge und neue Möglichkeiten.
http://www.friedhelmfalke.de



Julia Gutkina


weit, 2006, Öl auf Leinwand zweiteilig 170 x 260, Foto: Konstantin Voit, Mannheim

Die von mir bevorzugten Motive kommen aus der Natur bzw. aus den in Landschaft, Architektur und Interieurs gesehenen Formen und Strukturen. Diese werden auf das Wesentliche, auf ein Gerüst, reduziert und so entsteht eine neue, eigene (Bild-) Welt. Die plastische Wirkung wird durch das Einbeziehen der Oberflächenstruktur des Materials in die Gesamtkomposition des Bildes betont, so z. B. einer Holztafel, oder der Rückseite einer bereits bearbeiteten Radierplatte. Ich bemühe mich, die farbige Situation, das von mir atmosphärisch Erlebte beizubehalten, so dass der Betrachter  trotz der reduzierten Struktur in diese,emotional hineinversetzt wird. Raumphänomene wie z. B. Schatten, Spiegelungen und Silhouetten werden zu Protagonisten. Oft ist im Laufe des Arbeitsprozesses der Bezug zum Ausgangsmotiv nicht vordergründig  präsent, so dass der Betrachter verführt wird, neue Assoziationen zu bilden. Es entstehen Malereien auf Leinwand, Arbeiten auf Papier, sowie Wandreliefs auf Holz. Der Materialwechsel bereichert auf vielen Ebenen meine künstlerische Arbeit.
http://www.julia-gutkina.de



Peter Nikolaus Heikenwälder


emergency apple II, 2009, Öl auf Nessel, zweiteilig, 270 x 320 cm

Peter Nikolaus Heikenwälders Bildsprache ist komplex und vielschichtig, mit einer großen Variationsbreite an malerischen Mitteln. Von amorphen, körperlosen Formen, organisch wirkenden Körpern über Linien, Flächen, verlaufende Farbspuren, Kreidelinien, ornamentalen Elementen bis hin zu strengen stereometrischen Raumobjekten setzt er alles ein, was die Malerei an Firmenrepertoire entwickelt hat. Oft sind es Inspirationen von historischen Zeichnungen oder naturwissenschaftlichen Abbildungen, die als Formelemente den Grundstock einer neu begonnenen Arbeit bilden und die dann durch Konturierung und Übermalung in einem längeren Prozess zum Teil der Komposition werden. Am Ende wirkt alles neu und nicht vorhersehbar. Die Formensprache ist überraschend und scheint ein schier unendliches Erweiterungspotential zu bergen. So als sei die Malerei ein Kosmos nach einem Urknall, der unendliche neue Möglichkeiten für Formen und Elemente eröffnet und in dem alles Entstehende zum ersten Mal passiert. (Elke Kramer, Bremen)
http://www.peter-nikolaus-heikenwaelder.de



Thomas Hoffmann


Blut weinen, 2018, Öl auf Leinwand, 140 x 225 cm

In Thomas Hoffmanns Malerei lässt die Bevorzugung der prägnanten Linie vor der Fläche und seine bewusste Reduktion auf Wesentliches erkennen, wie sehr er sich an den Verstand des Betrachters wendet und mit ihm ein intellektuelles Spiel betreibt. So plakativ seine Bilder sind, so überzeugend sind auch die Titel. Dies widerspricht sich auch dann nicht, wenn man diese Feststellung umkehrt. Was zunächst an seinen meist großformatigen Werken auffällt, sind die oftmals fröhlichen Farben und die gestalterische Struktur, die an den Stil von Popart, Surrealismus oder Expressionismus erinnert. Vertieft man sich in die Bildinhalte wird rasch klar, dass sich hinter dem vordergründig harmlosen und schönen ersten Eindruck in vielen Fällen eine Aussage verbirgt, die alles andere als harmlos ist und sich oftmals schon im Titel zu erkennen gibt. (Klaus Küster)
http://www.thomashoffmann.it



Martina Justus


Target, 2017, Acryl auf Leinwand, 200 x 200 cm, , Foto: VG Bild-Kunst

Meine Arbeiten entstehen zu Texten über naturwissenschaftliche,
philosophische und technische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Welt, in der wir leben. Ich visualisiere, was ich lese und erlebe. Mit Bildern und Objekten versuche ich einzuordnen, was um mich herum geschieht. Dabei verwende ich die unterschiedlichsten Materialien und Techniken, je nachdem welche Geschichte ich erzähle, welches Medium sie verlangt. Bei „Target“ bin ich mit den Mitteln der freien Malerei unterwegs. Ich gehe zurück bis zu einer abstrakten „Ursprache“ die mit Farbe, Fläche und deren Komposition erzählt. Diese Geschichte wird der Betrachter für sich entschlüsseln, je nachdem, welche Perspektive er einnimmt.
http://www.martina-justus.de



Franziska Klötzler


Legit, 2017, Mischtechnik auf Leinwand, 200 x 180cm, Foto:VG Bild-Kunst

"Ordnung ist das halbe Leben!" - Ein furchtbarer Satz. Nicht nur, weil er mit autoritären Vorhaltungen konnotiert ist, sondern auch, weil er einfach nicht wahr ist. Ordnung ist das ganze Leben. Das zumindest meint Franziska Klötzler in ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder festzustellen. Eine Malerei, die sich als Malerei souverän selbstbehauptet, sich ihre Normen und Konventionen in autonomen Zeichensystemen selbst konstruiert und dekonstruiert. Schablonen und Filter, die sich an Digitaliät orientieren und versuchen, greifbar zu machen oder zu kodieren. Dadurch wird eine schon längst  bestehende, lebendige Ordnung formal ergänzt und vielleicht erst sichtbar bzw. zugänglich gemacht.
http://www.franziskakloetzler.com



Jannine Koch


Ebenen (Installation aus drei Leinwänden), 2017, Mischtechnik auf Leinwand, 145 x 280cm, Foto:VG Bild-Kunst

Meine Arbeit zeichnet ein starker Bezug zum tagespolitischen und gesellschaftlichen Geschehen aus und ist daher immer inhaltlich gemeint. Die großen Zusammenhänge und Veränderungen der letzten Jahre wie z. B. die zunehmende Digitalisierung, Technisierung und Überwachung, aber auch Terror, Gewalt und Globalisierung beschäftigen mich sehr und sind Motor fast aller Bilder. Dass all diese Veränderungen für uns immer weniger greifbar und in hohem Maße fremdvermittelt sind (Medien), versuche ich in meinen Malereien formal umzusetzen und zu reflektieren. Leitmotivisch tauchen Pixel und Sprühfarbe auf, die als Sinnbild für Informationsentzug stehen können. Aber auch Schrift und Codes, Zahlen oder Raster finden Eingang in meine Bilder und fungieren als Metaphern einer von Technik bestimmten und kontrollierten Welt. Generell bin ich daran interessiert darzustellen, dass wir in einer Zeit leben, in der sich viele Dinge verändern, auflösen oder für immer zerstört werden. Durch die Rückführung eines digitalen Bildes in die analoge Form der Malerei halte ich es an und werde der dargestellten Sache gewahr. Kurzum: Ich mache mir ein Bild.

http://www.jannine-koch.de



Ludwig Kupfer


Gelber Block, 2018, Öl auf Leinwand, 180cm x 135 cm

Die visuelle Grundlage für meine Arbeiten ist der öffentliche, oft städtische Raum. Mich interessieren jene unscheinbaren Orte und Situationen, an denen sich Raum, Architektur und Design zu alltäglichen und eindrücklichen Kompositionen verbinden. Diesen Situationen spüre ich mit verschiedenen Medien und Materialien nach. Meine künstlerische Reflexion auf jene Situationen geschieht frei und intuitiv. Ziel ist es nicht, eine technisch einwandfreie und naturgetreue Kopie des Ausgangsortes zu liefern, vielmehr soll aus dem subjektiven visuellen Gedächtnis geschöpft werden um so eine eigen erzeugte Formensprache zu entwickeln. Durch die Malerei widme ich mich grundsätzlichen Fragen des Mediums. Der malerische Prozess lebt durch das oft widersprüchliche Zusammenspiel von Raum und Nicht-Raum, Flächen und Linien und der Untersuchung von Farbe und Komposition. Im Umgang mit Farbe orientiere ich mich sowohl an klassischen Farblehren, als auch an gebräuchlichen Farben des Alltags, wie sie uns in Werbung und Popkultur begegnen.
http://www.ludwigkupfer.de



Patricia Sandonis


Monuments of my personal history: Devil´s Peak, Cape Town, 2017, Lack auf Verdunklunsstoff, 140 x 270 cm

"Monuments of my personal history" ist ein Monument für die notwendige Zeit, die für die Künstlerin eine lebenswichtige Transformation einleitete. Die Trauer, die Selbsttäuschung, die Akzeptanz, die Wahrheit und die Veränderung sind die Phasen, die die Künstlerin während der Arbeit an diesem Projekt durchläuft.
Die Transformation der Künstlerin geht parallel zu der Entstehung der Malereien mit den Darstellungen der beiden Hauptberge: Der Devil's Peak in Südafrika und der Teufelsberg in Berlin. Die historischen Informationen, Ereignisse und anderen Geschichten über den Devils Peak und den Teufelsberg verweben sich mit der persönlichen Lebenserfahrung der Künstlerin und werden zu einer Meta - Geschichte, die nicht nur den einseitigen Erzählcharakter der Geschichte hinterfragt, sondern auch dessen Einfluss in der Wahrnehmung monumentaler Orte. Was wiegt schwerer: Was du an einem Ort erlebt hast oder die Geschichte die du von dem Ort kennst?
http://www.sandonis.com



Sebastian Troeger


Die grosse Angst, 2016,  Öl und Acryl auf Leinwand, 300 x 900cm, Foto: Tim Hufnagl

Der augenscheinliche Rückgriff auf Picassos „Guernica“, Géricaults „Floß der Medusa“ oder Immendorfs Café Deutschland-Zyklus kann als ikonologische Analyse verstanden werden. Es geht nicht darum mit bekanntem Vokabular plakativ den mahnenden Zeigefinger zu heben, sondern eher um die Frage wie man überhaupt als Künstler (oder im speziellen Fall als Maler) im 21. Jahrhundert Position und Stellung beziehen kann. Wenn in der Malerei „Die großen Angst“ bekannte bildnerische Mittel benutzt werden, dann nur um aufzuzeigen, dass momentan ein ähnlich desolater Zustand herrscht wie in vorangegangenen Epochen und Zeiten und man umso eindringlicher fragen muss, warum längst verhandelte Inhalte und Formen wieder oder immer noch ihre Berechtigung haben. Als aufmerksamer Konsument und Teil dieser Gesellschaft muss man feststellen, dass es eine traurige Renaissance einer Industrie der Angst gibt, dass Konfessionen und die Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften in öffentlichen Kundgebungen und Interessengemeinschaften in Zusammenhang mit prototypischen und rassistischen Ideologien gebracht werden, dass antidemokratische Tendenzen erstarken und der blinde Mob Ängste schürt - um nur einige Beispiele zu nennen.
http://www.sebastian-troeger.de



Konzept und Organisation: Cornelius Grau
Abbildungen Werke und Texte: © die KünstlerInnen, wenn nicht anders angegeben

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